BIANCHI PARIS ROUBAIX

«Dass sie damit früher Rennen über Kopfsteinpflaster gefahren sind. Mit solchen Bremsen. Und gerade mal fünf Gängen. Unvorstellbar ...»


Der Radklassiker Paris-Roubaix, der mit seinen etwas mehr als 250 Kilometern Distanz zu den wohl bekanntesten Eintagesrennen gehört, stellt seit seiner Premiere im Jahr 1896 enorm hohe Anforderungen an Mensch und Material – denn er ist von Streckenabschnitten durchzogen, auf denen die Rennfahrer mit höchstmöglicher Geschwindigkeit auf groben Kopfsteinpflasterwegen fahren müssen. Diese sogenannten Pavés stammen zum Teil noch aus dem 19. Jahrhundert und sind für ihren fahrerischen Anspruch berüchtigt, besonders bei schlechtem Wetter.

Ein Teil dieser hohen Anforderungen an das Können der Fahrer wurde während der Rennen der 1940er auch für das Bedienen der Kettenschaltungen benötigt, die ihrerseits wiederum möglichst einfach und gleichzeitig zuverlässig konstruiert sein mussten. Eine dieser Schaltungen war die Cambio Corsa, ein frühes technisches Meisterstück des genialen Tullio Campagnolo, der wenige Jahre zuvor die erste Schnellspannachse für Rennräder entwickelt hatte. 

Im Gegensatz zu den bereits seinerzeit verwendeten Schaltwerken verzichtete Campagnolo darauf, die Kette über zusätzliche Umlenkrollen zu leiten und in Spannung zu halten, was im harten Einsatz auf gepflasterten und verschmutzten Strecken die Zuverlässigkeit der Schaltung massiv verbesserte. Um das Durchhängen oder Überspannen der Kette beim Schalten auf einen kleineren oder grösseren Zahnkranz zu vermeiden, wählte er einen ebenso einfachen wie genialen Weg: Beim Schalten der Cambio Corsa wird nicht nur die Kette, sondern gleich das gesamte Hinterrad im Rennradrahmen hin- und herbewegt.

Möglich war dies durch seine erste grosse Erfindung, denn bei der Cambio Corsa wurde vor dem eigentlichen Schaltvorgang zuerst der Schnellspanner des Hinterrades über ein zusätzlich neu entwickeltes Gestänge geöffnet. Um einen Gang zu wechseln, musste ein Rennfahrer also unter seinen Sattel greifen, die Hebel der Schaltung bedienen und im richtigen Moment rückwärts treten – und dies notabene im laufenden Rennbetrieb auf unzureichend oder nicht asphaltierten Pisten.

Trotzdem war Campagnolos Geniestreich für viele erfolgreiche Veloprofis die Schaltung der Wahl: So war es zum Beispiel Gino Bartali, der mit einer Cambio Corsa an der Tour de France siegte. Oder auch Fausto Coppi, der sich, obwohl er seinerzeit von der Konkurrenzfirma Simplex für das Fahren von Schaltwerken abgeworben worden war, im Jahr 1950 erneut für die Cambio Corsa entschieden hatte, um damit Paris-Roubaix, die «Hölle des Nordens», zu gewinnen.

Das Bianchi Paris Roubaix der Staeger Collection ist mit einer optimierten Variante der Cambio Corsa ausgestattet: Statt mit zwei Hebeln wird der Schaltvorgang durch das Betätigen eines einzigen Hebels ausgeführt. Die gesamte Ausstattung des Velos basiert auf Originalkomponenten, die sanft aufgearbeitet wurden. Lackiert in der Originalfarbe Celeste, ist dieses Rennvelo eines von insgesamt zehn Bianchis der Sammlung, die sich im Traditionsfarbton der Marke präsentieren.